„Ich möchte noch nicht!“ – Wenn der Abschied morgens schwerfällt
- FamBa-Familienbalance

- vor 2 Tagen
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„Ich möchte noch nicht!“
Vielleicht kennst du diesen Satz. Dein Kind hält sich morgens an dir fest, möchte nicht, dass du gehst, und plötzlich wird auch das Ausziehen von Jacke und Mütze zur großen Herausforderung.
Vielleicht fragst du dich dann: Warum ist das heute so schwierig? Gestern hat es doch noch so gut geklappt.
Die gute Nachricht: Dein Kind macht es nicht, um dir den Morgen schwer zu machen. Gerade für kleine Kinder können Ankommen, Abschiednehmen und der Wechsel von zu Hause in die Kita große Gefühle auslösen.

Der Abschied ist ein kleiner großer Schritt
Für uns Erwachsene ist es selbstverständlich: Wir verabschieden uns, gehen zur Arbeit und wissen, dass wir am Nachmittag wiederkommen.
Ein kleines Kind erlebt die Situation anders.
Es muss die vertraute Bezugsperson loslassen und darauf vertrauen, dass sie wirklich wiederkommt.
Gleichzeitig beginnt etwas Neues: eine andere Umgebung, andere Menschen, andere Geräusche und Abläufe.
Da kann ein „Nein!“ oder „Ich möchte noch nicht!“ ganz einfach bedeuten:
„Das ist mir gerade zu viel. Ich brauche dich noch.“
Warum will mein Kind plötzlich die Jacke nicht ausziehen?
Manchmal scheint der Protest gar nicht zum Abschied zu passen.
„Zieh bitte deine Jacke aus.“
„Nein!“
„Dann wenigstens die Mütze.“
„Auch nicht!“
Was wie Trotz aussieht, kann ein Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle sein.
Das Kind hat gerade eine große Veränderung erlebt: Mama oder Papa gehen.
Da kann es helfen, wenigstens bei den kleinen Dingen selbst bestimmen zu dürfen.
Vielleicht möchte Ihr Kind die Jacke noch einen Moment anbehalten.
Vielleicht möchte es die Mütze selbst ausziehen.
Vielleicht möchte es von der pädagogischen Fachkraft begrüßt werden und erst danach seine Sachen ablegen.
Kleine Entscheidungen können großen Halt geben.
Was Eltern beim Abschied helfen kann
Ein Abschied darf liebevoll sein – und trotzdem kurz und klar.
Ein immer ähnlicher Ablauf kann deinem Kind Sicherheit geben:
„Wir hängen deine Jacke auf. Dann geben wir uns einen Kuss und ich gehe. Nach dem Mittagessen hole ich dich wieder ab.“
Auch wenn Ihr Kind weint, dürfen Sie darauf vertrauen, dass die pädagogischen Fachkräfte es auffangen.
Sätze wie
„Ich sehe, dass du traurig bist.“
„Du möchtest, dass ich noch bleibe.“
„Ich komme wieder.“
„Du bist hier sicher.“
helfen oft mehr als:
„Du brauchst doch nicht zu weinen.“
Denn Gefühle müssen nicht sofort verschwinden.
Dein Kind darf traurig sein und gleichzeitig erleben:
Mama oder Papa geht – und ich bin trotzdem sicher.
Nicht heimlich weggehen
Auch wenn es verlockend sein kann: Verabschiede dich möglichst nicht heimlich, wenn dein Kind gerade nicht hinschaut.
Für einen Moment kann das einfacher erscheinen.
Langfristig kann es aber verunsichern: Wenn Mama oder Papa plötzlich verschwinden, ohne sich zu verabschieden, weiß das Kind nicht, wann es mit dem nächsten Verschwinden rechnen muss.
Ein klarer Abschied schafft Vertrauen.
„Ich gehe jetzt. Frau Müller ist bei dir. Nach dem Schlafen komme ich wieder.“
Dann darfst du gehen – auch wenn dein Kind weint.
Vertraue deinem Kind und der Kita
Weinen beim Abschied bedeutet nicht automatisch, dass dein Kind sich in der Kita unwohlfühlt.
Manche Kinder weinen in dem Moment, in dem die Eltern gehen, und finden kurze Zeit später ins Spiel. Andere brauchen länger, bis sie sich beruhigen.
Wichtig ist, dass dein Kind eine verlässliche Bezugsperson in der Kita hat, die es in diesem Moment begleitet.
Du musst den Abschied also nicht „perfekt“ machen.
Du musst auch nicht verhindern, dass dein Kind traurig ist.
Du kannst einfach da sein, ehrlich verabschieden und deinem Kind vermitteln:
„Ich weiß, dass das gerade schwer ist. Und ich weiß, dass du es schaffen kannst.“
Und wenn es morgens jeden Tag schwierig ist?
Dann spreche mit den pädagogischen Fachkräften.
Vielleicht gibt es ein kleines Abschiedsritual, das zu deinem Kind passt.
Vielleicht kann eine bestimmte Fachkraft dein Kind morgens übernehmen.
Vielleicht hilft ein fester Platz für Jacke und Mütze oder ein immer gleicher erster Schritt nach dem Ankommen.
Und manchmal braucht es einfach Zeit.
Entwicklung verläuft nicht jeden Tag gleich.
Es gibt gute Morgen und schwierige Morgen.
Nach einem Wochenende, einem Urlaub, einer Krankheit oder einer Veränderung zu Hause kann ein Kind wieder mehr Nähe und Unterstützung brauchen.
Das ist kein Rückschritt.
Es ist ein Zeichen dafür, dass dein Kind gerade etwas braucht.
„Du musst nicht allein sein.“
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft für dein Kind:
„Ich sehe, dass du noch nicht möchtest. Ich weiß, dass Abschied schwer sein kann. Du bist damit nicht allein.“
Wenn dein Kind morgens weint, sich an dich klammert oder seine Jacke nicht ausziehen möchte, musst du
nicht sofort eine Lösung finden.
Manchmal braucht es nur einen ruhigen Erwachsenen, einen klaren Abschied und das Vertrauen:
Mein Kind darf traurig sein. Es darf „Nein“ sagen. Und es darf lernen, dass Mama oder Papa immer wiederkommt.



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